Dienstag, Juli 25, 2006

Die Königsetappe

Boah, bin ich platt!
Am gestrigen Abend hatten wir noch eine lustige Harald-Show. Der Gute musste drei Mal aufs Podium, um seine Leader Trikots entgegen zu nehmen. Nachträglich der Prologsieg, Gesamtwertung 1. Etappe und „King of the Mountain“ (Bergwertung). Im Übrigen geht es hier nicht ums gelbe Trikot, sondern um ein rotes. Wenn das so weiter geht, braucht Harald noch ein neues Täschen für die ganzen kleinen Roten Biester.

Heute Morgen haben wir endlich Aurland verlassen, langsam konnte ich dieses verträumte Dörfchen auch nicht mehr sehen. Die 2. Etappe brachte uns zunächst über den Aurland Hausberg, den wir gestern schon erklommen haben. Nach wenigen Kilometer wunderte ich mich darüber Sterne zu sehen, bei genauerem Hinsehen entpuppten sich die Sterne allerdings als Fliegen, die um meinen Lenker kreisten. Man gut! Die erste Gruppe ließ ich ziehen und suchte mir nette Wikinger Gesellschaft. Diese Typen sind echt zäh, ich kann mir jetzt ungefähr vorstellen, warum diese Kerle schon mal fast ganz Europa besetzt hielten und Angst und schrecken auf den Weltmeeren verbreitet haben. Du glaubst es nicht, die haben echt Wikinger Figuren und machen am Berg eher den Eindruck, als würde sie in den nächsten Kilometern vom Rad steigen. Aber nichts da, die können echt beißen. Ich leg mich mit den Jungs auf jeden Fall lieber nicht an.

Nach knapp einer Stunde habe ich den ersten Berg geschafft und 1.350 Höhenmeter im Kasten. Berg runter kann ich meine Abfahrqualitäten ausspielen und stelle unter (bei 0 Meter Höhe) fest, dass ich alleine bin. Ich warte gepflegt an der Verpflegung und weiter geht unser Wikinger Zug zur nächsten Kletterpartie. Mit 27 Grad sind die Temperaturen zwar noch moderat, aber am Berg ist es kaum auszuhalten. Mir rinnt der Schweiß nur so runter und ich muss bei der Anfahrt zum nächsten Gipfel schon richtig kämpfen. Unser Gruppe wächst weiter an, da sich einige der abgeschlagenen Fahrer aus der Spitzengruppe sich uns anschließen. Bei Kilometer 140 erreiche ich nach 4:45:00 std. den zweiten Berg. 2.820 Höhenmeter zeigt die Uhr an, ein 28er Schnitt und die Beine sind kurz davor zu platzen. Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals derart gequält zu haben, wie auf dieser Etappe. Die restlichen 15 KM sind ohne Wertung und dementsprechend langsam rolle ich ins Tal.

Unser Gesamtklassements Leader Harald bereitet uns eine Menge Spaß. Überall wo wir auftauchen, muss er die Geschichte der letzten Etappe erzählen oder sonstige Fragen beantworten. Da kann es auch schon mal vorkommen, in der Dusche angesprochen zu werden und nicht zu wissen, mit wem man spricht oder in welcher Sprache man angesprochen wird. Meinen Job als Wasserträger kann ich ja eigentlich nur vor und nach der Etappe erledigen, deshalb werde ich wohl auf Pressesprecher umschulen. Hier mal meine erste Aufgabe:

Der Vorjahressieger „Geier“, ein Norweger, dessen Name ich nicht schreiben kann, hat sich als sehr ernstzunehmender Gegner rausgestellt. Aber unser Harald ist ja auch kein schlechter. Bei der „King of the Mountain“ (K.O.M) Wertung, mussten wir leider einen ausreißenden Berfloh ziehen lassen und so musste sich Harry mit den 20 Punkten für den zweiten Platz begnügen. Durch einen Geniestreich, die Verpflegungstelle abzukürzen, könnte Harald sich die Sprintwertung holen und 30 Sekunden Zeitmodifikation einheimsen. Alexander wusste leider von dieser Taktik scheinbar nichts und musste nach starken Edelhelferdiensten für heute abreißen lassen. Die Wikinger fanden Haralds Taktik auch nicht so lustig und er musste danach ein bisschen streicheln und gut zureden. Den Etappensieg holten sich dann Geier und sein Edeldomestike, vor Harald. Damit war dann die Wiedergutmachung hergestellt.

Eigentlich wollte ich ja heute mal nichts über unsere Wehwehchen schreiben. Aber ich kann es einfach nicht lassen, da ich nach der Etappe Akupunktur bekommen habe und wenn mein Rücken morgen beschwerdefrei sein sollte, wird noch mal angegriffen ;-)

So nun müssen wir uns wieder anschauen, wie Harald unzählige Trikots verliehen bekommt!

P.S. Gestern Abend habe ich zu den älteren Blog Einträgen noch einige Fotos hinzugefügt.

zwei Rueckenkranke bei de Arbeit



Harry in rot

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Paddi,
mit großem Interesse verfolge ich eure Norwegenkreuzfahrt. Ich gäbe echt viel, hier bei mir auch nur 27 Grad zu haben.
Wenn ich deine Berichte so lese, kommt bei mir schon die Lust wieder auf, mich dem Radsport zu widmen, aber momentan mache ich da eine Durststrecke durch.

Also euch Dreien "Toi Toi Toi" und meidet die Leitplanken sofern es sie gibt!

Gruß aus Dortmund
Nille

Anonym hat gesagt…

Ihr Lieben, euer Tagebuch ist ja schon fast so gut wie Fernsehserien schauen. Patrick, du machst das wirklich prima. Harald, wenn du jetzt soviele Trikots bekommst ist es ja doch ganz gut das du dich auf meine Größe runtergehungert hast. Also fix auf dem Rückflug die olle rosa Mütze umtauschen...

Grüßle und weiterhin viel Spaß wünscht Bille

Anonym hat gesagt…

alter, 140km mit 2800hm, respekt!
ihr seid meine persönlichen helden.
noch gute beine, gutes wetter, steile anstiege und mehr rote leibchen in den nächsten tagen!

sebastian

Anonym hat gesagt…

Geliebte Bille,
den Wink mit dem roten Trikot habe ich schon verstanden. Mal schauen ob ich mich heute mal in XS quetsche. Das wird vor versammelter Mannschaft bestimmt lustig.

Lieber Sebastian,
nach heute ist mir der Spass auf noch mehr steile Ansteige echt vergangen. Wenn dieser "Geier" nicht immer so attackieten wuerde. Dann kommt noch die Hitze dazu und diese roten Trikotes sind dann doch eher fuer das Wintertraining gedacht. Aber was soll ich mich beschweren, mit einem Zeitpolster von ca. 50s muss ich nur aufpassen das die bekloppten Sprints(Zeitgutschriften!)mir kein Strich durch die Rechnung machen und der Geier mir nicht davon fliegt.
Gruss,
Harald

p.s. Dank an Patrick, der immer artig nach jeder Etappe das Laptopp einschwitzt.